zur geschichte des consulates

ein beitrag unseres Conslus sen. HR prof. Mag. Helmut Skala

Es war tatsächlich ein Jahrtausendereignis als die Europäische Weinritterschaft begann das große und wichtige Weinland Niederösterreich mit der Gründung des Legates Thermenregion in den Reigen des OEVE aufzunehmen und schrittweise den organisatorischen Aufbau voranzutreiben. Damit begann der systematische Aufbau des Consulates Niederösterreich.

 

Handelskammer Vizepräsident Dr. Kurt Abt hat von Wr. Neustadt aus, damals noch als Präfekt für Niederösterreich den wichtigen Grundstein für das Consulat in Gloggnitz gelegt. Die damaligen Eidgenossen aus Niederösterreich waren allerdings über das ganze Bundesland verstreut und hatten in ihren Regionen sehr wenig Ritterliche Gesellschaft und Betreuung.

 

Sie waren, so wie ich, der erst wenige Jahre vorher in Purbach auf Initiative meines Freundes und Mentors, Eques Dr. Egon Presoly zur Tafelrunde akkreditiert worden war, fast ausschließlich auf Ritterveranstaltungen im Burgenland ausgerichtet. Präfekt Kurt Abt aber war bereits fleißig in Niederösterreich auch jenseits der Donau unterwegs, um eine nachhaltige organisatorische Struktur zu schaffen. Er hatte schon damals einige hochmotivierte Ritterfreunde, wie Weinbaupräsident Ing. Josef Pleil, oder Eques Hofrat Paul Sturm um sich geschart.

 

Es war aber tatsächlich gerade zur Jahrtausendwende, ich war damals Direktor der Höheren Bundeslehranstalten für wirtschaftliche Berufe in Baden, da erschien Klaus Zell in meiner Direktion und stellte sich als Ritterlicher Eidgenosse vor. Er war gerade als Repräsentant der AUA aus Polen zurückgekehrt und in den beruflichen Ruhestand getreten. In Polen hat er ein großer Consulat des OEVE aufgebaut und hinterlassen.

 

Er eröffnete mir, dass er in Absprache mit dem Consul Primus ein Legat in der Thermenregion aufbauen möchte, da er sich nunmehr in der Kurstadt niedergelassen hat. Er lud mich zur Mitarbeit ein, die ich auch gerne anbot. Dabei konnte er auch auf meine Kontakte als Schuldirektor, Lehrervertreter auf Bundes- und Landesebene sowie ehemaliger Vizebürgermeister der Kurstadt zählen. Vor allem passte dies zum touristischen Schwerpunkte meiner Schule, die auch eine Ausbildung zum Jungsommelier anbietet. Klaus Zell hat auch in der Thermenregion seine Managementstärken innerhalb kürzester Zeit unter Beweis gestellt. So hat er nicht nur beim Stadtpfarrer Monsignore Norbert Kiraly erreicht, dass uns die Kirche der Stadt Pfarre St. Christoph offenstand, sondern dieser auch ein treuer Ritterpriester wurde.

 

Unter großer Unterstützung und Mithilfe von Kurt Abt, der bald mit Josef Pleil Proconsul des Consulates NÖ werden sollte und der önologischen Expertise von Paul Sturm wurden nicht nur wunderbare Ritterfeste, sondern auch die ersten Weinritterturniere in der Thermenregion durchgeführt. Das erste Zierfandler-Turnier des OEVE fand daher in und unter Mithilfe meiner Schule statt, und wurde zu einem großen Ereignis in der Region. Das Stiftungs- und Gründungsfest begann mit einer Ordensmesse in St. Christoph, die Msgr. Kiraly zelebrierte. Dem Ritterlichen Festakt stand der damalige Consul Sekundus KR Ladislaus Knoll vor. Anschließend bewegte sich der feierliche Festzug mit Musikbegleitung durch das Rosarium zum Schlosshotel Weikersdorf, wo mit einem mehrgängigen Menu die Festlabung stattfand.

 

Bedauerlicher Weise führten unterschiedliche Auslegungen der Statuten des OEVE durch den Legatsgründer und dem Senat zum baldigen Totalrückzug von Klaus Zell aus der Ritterschaft. Dabei sind ihm leider viele seiner Freunde gefolgt. Allerdings wurde der Aufbauschwung dadurch keineswegs abgebremst, sondern er fand noch intensiver seine Fortsetzung. Den Legats Vorsitz übernahm ich gemeinsam mit Paul Sturm, mit dem mich bereits eine lange Freundschaft aus unserer gemeinsamen Zeit in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst verband. Paul Sturm brachte seine exzellente Expertise als Önologe und seine intensiven Kontakte mit der Winzerschaft weit über die Region hinausgehend dabei ein. Ich wieder konnte auf die Ressourcen, Partnerschaften und Möglichkeiten meiner Schule bauen. Schon beim folgenden Stiftungsfest zeigte sich der weitere Auf-bauerfolg, bei dem Kurt Abt entscheidend mitwirkte. In St. Christoph konnten zahlreiche Akkreditierung zur Ritterschaft erfolgen. Beim anschließenden Ritterfest im Kaisersaal des Grand Hotel Sauerhof erfreuten sich viele neue Eidgenossinnen und Eidgenossen bei einer von Josef Pleil launig vorgetragenen Weinverkostung. Unter ihnen waren neben der Unterrichtsministerin Liesl Gehrer, der Präsident des Landesschulrates Hofrat Adolf Stricker, der Bezirkshauptmann Dr. Helmut Leiss und der Präsident des ÖAMTC Dkfm. Werner Kraus sowie Spitzenwinzer der Region, um einige für viele andere zu nennen.

 

Leider ist mein väterlicher Freund Kurt Abt mit dem ich für die Ritterschaft viele Fahrten durch das große Niederösterreich unternommen habe und der auch maßgeblich an der Festigung des OEVE in der Slowakei beteiligt war viel zu früh und unerwartet verstorben. Nach der Auflösung des Ritterteiles Gloggnitz wurde aus dem Legat Thermenregion für einige Zeit das Legat Niederösterreich Süd, welches auch die Bezirke Wr. Neustadt und Neunkirchen betreute und eine Komturei Semmering gegründet hat. Damit war leider auch meine Aufgabe als Legatus in meiner engeren Heimat zu Ende, denn der Consul Primus und der Senat kürten mich zum Nachfolger von Kurt Abt als Proconsul von Niederösterreich. Paul Sturm wollte jedoch ohne mich das Legat nicht weiterführen, sondern wurde Senatsönologe. Das Legat wurde daraufhin meinem Nachfolger in der Schuldirektion, Thomas Douschan anvertraut, der von mir auch jedwede Unterstützung fand. Allerdings war er leider nicht in der Lage, die für diese Funktion notwendige Zeit und das Engagement aufzubringen. Daher übernahmen allerdings mit neuem Schwung KR Ing. Gerhard Wolf und RA Dr. Gottfried Forsthuber die Legatsführung. Als ich das Amt des Proconsul an Gerhard Wolf weitergab, da ich als Consul Sekundus und Praeses Senatus nach Eisenstadt berufen wurde, lag die Verantwortung bei Gottfried Forsthuber, der nunmehr von Reinhard Barbl unterstützt wird. Gerhard Wolf und ich haben jedoch auch in unseren weiteren Funktionen in der Ritterschaft unser Stammlegat und unser Bundesland bestmöglich durch Mitarbeit und Präsenz treu unterstützt.

 

Helmut F. Skala, Praese Senatus Baden, 20. 11. 2020